Zusammenarbeit

Sagten Sie „Zusammenarbeit“…?

Von Julien King-Georges, Thaon-les-Vosges, 11. Mai 2016 – Übertragung von Eva Zimmermann

Es gibt Wörter, die wir einfach aussprechen. Um eine Tätigkeit zu beschreiben, um Handlungen und Dingen einen Sinn zu verleihen. Es gibt Wörter, die uns lenken und leiten, die uns mitreißen in eine Bewegung, ein Abenteuer. Manchmal wider Willen, wie ein Strudel. Es gibt Wörter, Lebensweisen, Einstellungen – es gibt Wörter und Haltungen.

Wenn ich meine Arbeit beschreibe, benutze ich einen deutschen Begriff. Die Kombination zweier Wörter: Zusammen (ensemble) und Arbeit (travail): „Zusammenarbeit“.

Warum? – Pourquoi cela? fragen Sie mich und diese Frage brennt Ihnen auf den Nägeln. Erlauben Sie mir, um sie zu beantworten, eine Reise in meine Kindheit zu unternehmen. Weit fort von hier, in andere Breiten.

Ich erblickte das Tageslicht in Douala im Kamerun. Ich sollte sagen: in der „alten Kamerunstadt“. Wegen der historischen Parallelen und Analogien zu Lothringen und der grenzüberschreitenden Großregion. Es ist sozusagen die gleiche Geschichte, nur die Geographie ist eine andere. Von hier habe ich eine Sprache als Erbe empfangen. Die Sprache meiner Großmutter, die Sprache der Erwachsenen, die Sprache des Geheimnisses, in der man sagt, was vor Kinderohren verborgen bleiben soll: Die deutsche Sprache. Für mich, den kleinen Jungen aus Kamerunstadt, bedeutete Erwachsenwerden, Deutsch zu lernen und zu verstehen, worüber mein Vater und seine Mutter miteinander sprachen. Sie sehen also, es ist weder Koketterie, noch Phantasie meinerseits, es ist auch keine künstlerische Pose, wenn ich meine Arbeit mit einem deutschen Wort beschreibe. Diese Sprache ist ein Teil von mir. Sicher, ein winziger Teil, aber ich hänge daran. In Erinnerung an diese alte Dame, meine Großmutter, und ihren starken deutschen Akzent, wenn sie Französisch sprach.

Doch auch jenseits dieser sentimentalen Erinnerung vermag das deutsche Wort „Zusammenarbeit“ den Willen, die Überzeugung und die Dynamik kollektiven Handelns besser zum Ausdruck zu bringen als etwa das französische „travailler ensemble“ oder „le travail en collaboration“ – all dies scheint mir abstrakter, weniger demonstrativ, weniger mitreißend. Zurück also zum deutschen Wort „Zusammenarbeit“. Zusammen arbeiten: Ja! Weil man es will; weil man es muss; weil es notwendig oder effizient ist. Warum und mit welchem Ziel?

Ich werde mich hier weder in sprachwissenschaftlichen Erörterungen ergehen, noch einen soziologischen Essay über die Wirklichkeit von Zusammenarbeit verfassen. Ich möchte erst recht kein Loblied auf das kollaborative Arbeiten singen. Mir geht es vielmehr darum zu betonen, dass es eine intellektuelle Anforderung, eine Notwendigkeit, oder besser noch eine uns alle bindende Verpflichtung ist, dieses Projekt gemeinsam in Angriff zu nehmen. Ich verstehe Zusammenarbeit als einen Prozess, eine Methode, eine Vorgehensweise, die mehrere Disziplinen und Personen involviert.

Die Dichtkunst ist eine einsame Tätigkeit, doch von ihren Früchten kosten alle, die sie lesen. Die Renaissancemaler hatten Lehrlinge und Mitarbeiter, die dem Meister gewisse Aufgaben abnahmen. Der Ruhm der Nachwelt aber gehört allein dem Letzteren. Das Kino ist, wie die Nennung sämtlicher Mitwirkender im Abspann offenbart, pure Zusammenarbeit. .

Zusammenarbeit, das heißt nicht einfach zusammen arbeiten, es bedeutet auch, dass der Beitrag eines Jeden wertgeschätzt und als Teil eines gemeinsamen Werkes anerkannt wird.

Bauen (batir) – auch dies ist eine gemeinschaftliche Tätigkeit (alle zusammen). Wenn auch die Idee, das Konzept mitunter auf eine Einzelperson zurückgeht, so erfordert doch ihre Verwirklichung die Expertise und die Kompetenzen mehrerer Beteiligter.

Mit der grenzüberschreitenden Großregion hat uns die Geschichte ein transzendentales Werk hinterlassen, ein Erbe, das es zu kultivieren und zu bereichern gilt. Mit einem Wort: eine Zusammenarbeit. Von ihrer bewegten Geschichte bleibt uns eine Vorstellung – etwas Wunderbares – das Zeugnis eines Übergangs von Konflikt zu Frieden, das Versprechen eines Paradieses, das es zu pflügen gilt, auf dass es blühe. Dieser Raum der Grenzen ist ein Schwellenraum, ein Zwischenraum, ein Raum der Konvergenzen und des Zusammenfließens. Unsere Aufgabe ist es, ihn in Bewegung zu halten und eine gemeinsame Kultur, Ästhetik und Bildung zu schaffen.

Diese wenigen Worte mögen genügen, um auszudrücken, worum es mir geht: Um unser Engagement und unseren Willen teilzuhaben am Aufbau und der Entfaltung dieser Gemeinschaft des Geistes und des Körpers.

Sie hören „Zusammenarbeit“. Und ich, nein: wir, sagen Ihnen „zusammen arbeiten“, weil Sie, wie wir, die Arbeiter und Erbauer dieses glücklichen „Babel“ sind, das man die grenzüberschreitende Großregion nennt.