Sprachen

Translation von Recht im mehrsprachigen Kontext am Beispiel von Elsass-Lothringen, Saarland und Luxemburg

Von Thomas Gergen

 

„Aber von dir ist eigentlich zu reden. Von deinen Sprachen, deinen unterschiedlichen Identitäten und welchen Preis du für ein solches Leben gezahlt hast und welches Glück dir widerfahren ist.“

Waltraud Mittich, Abschied von der Serenissima, Innsbruck 2014, S. 117

 

    1. Die Verankerung globalen Wissens in lokalen Kontexten. Wie wurde und wird Recht übersetzt?

Ist heute von Globalisierung die Rede, denkt der Betrachter vorab an die Verflechtung von Volkswirtschaften untereinander und an Zusammenschlüsse von Märkten und Handelsgesellschaften. Diesen internationalen Zusammenhängen und der Ausbildung eines weltweit funktionierenden Wirtschaftsrechtssystems haben die Wirtschafts- und Rechtswissenschaften bereits seit langem ihr Augenmerk geschenkt. Wie allerdings ein bestimmtes Rechtswissen im Zuge der Globalisierung transferiert wurde und jeweils unmittelbar an seinem Anwendungsort gewirkt hat, also selbst „Migrationsobjekt“ war, ist bislang noch wenig Forschungsgegenstand gewesen. Die europäische Rechtsgeschichte, die sich auf regionale Quellen stützt, kann zu diesem Phänomen einschlägige Fälle aus dem Blickwinkel der sprachlichen Übertragung von Rechtsquellen, mithin von Rechtswissen liefern; dies soll anhand von ausgewählten Beispielen aus der Großregion aufgezeigt werden, d.h. am Beispiel von Elsass-Lothringen, dem Saarland und dem Großherzogtum Luxemburg. Bei der nun folgenden Benennung von Desideraten und Aufgaben für die zukünftige Regionalforschung sollen bewusst die nationalstaatlichen Grenzen hintanstehen und die historisch gewachsene Region im Vordergrund stehen.

 1.1. Von der Rezeptions- zur Translationsgeschichte

Die immer weiter gehende weltweite Vernetzung bringt es mit sich, dass sich Rechtswissen je nach lokaler Verankerung unterschiedlich niederschlagen kann. Dabei ist die Beschreibung in Rezeptionsvorgängen längst allzu eng, setzt sie doch ein Über- und Unterordnungsverhältnis zwischen Quelle und Rezipienten voraus, die in dieser pauschalen Gegensätzlichkeit wohl selten zutrifft. Auch das Aufrechterhalten der traditionellen Rechtsfamilien wird obsolet, wenn man bedenkt, dass der Austausch von juristischem Wissen in zahlreichen und fein verästelten Bahnen erfolgen und sich im aufnehmenden Land oftmals eine beträchtliche Eigendynamik an Weiterentwicklung entfalten kann. Daher ist von Wissensströmen auszugehen, die es sich deswegen lohnt aufzuspüren, weil sie zeigen, wie Wissen von einem Ort zum anderen fließt, sich verändert, weitergegeben wird oder unbewusst oder gesteuert in Vergessenheit gerät. Die Übersetzung von Rechtstexten ist mithin auch eine Bilanz aus Verlust und Gewinn an Sinnbedeutungen[1]. Neben der philologischen Dimension des sprachlichen Austausches ist interessant, welche politischen Strukturen sich bei der Weitergabe insbesondere juristischen Wissens bilden. Damit erfasst die interdisziplinäre Analyse nicht nur die Rechtswissenschaft und die ihr inhärente Rechtsgeschichte, sondern auch die Translations- und die Geschichtswissenschaft.

In ihrer allgemeinsten Ausprägung ist die Übersetzung (griechisch: hermēneía, metáphrasis; lateinisch: interpretatio, translatio; englisch: translation und französisch: traduction)  die Wiedergabe der unter den gegebenen Umständen für mitteilenswert gehaltenen Aspekte eines an eine gegebene sprachliche Ausdrucksform (Ausgangssprache) gebundenen Inhalts mit Hilfe einer anderen sprachlichen Ausdrucksform (Zielsprache). Die Relation der Übersetzung ist asymmetrisch, denn wenn B Übersetzung von A ist, kann A nicht Übersetzung von B sein[2].

Sobald sich das Übersetzen nach dem II. Weltkrieg als Wissenschaft herausgebildet hatte, entwickelte sich die damit verbundene Forschung in den 1980er Jahren zu einer kulturell ausgerichteten Translationswissenschaft und zu einem Teil der Sozial- und Kulturwissenschaften. Dabei machte die Übersetzungswissenschaft auch Anleihen bei Didaktik[3], Pädagogik, Ethnologie, Soziologie und nicht zuletzt der automatisierten Sprachdatenverarbeitung[4]. Bislang bloß sprachlich-linguistische Ansätze wurden inter- und transkulturell betrachtet und gewannen eine neue Dimension, denn Übersetzung wurde nicht mehr nur auf der Textebene als eine Form der Übertragung von Sprache gesehen, sondern als Kategorie im Rahmen der kulturellen Wandlungsprozesse aufgefasst und auf diese Weise für die Analyse der vielfältigen kulturellen Lebenswelten fruchtbar gemacht[5]. Damit wandelte sich Übersetzung in Translation, die nach Erich Prunč als ein zentraler Ort des interkulturellen Wissenstransfers und des Austausches symbolischer Güter erfasst werden kann[6].

Prunč prägte ferner den Begriff der „Translationskultur“, der versucht, das Handlungsfeld der Translation mit seinen gesellschaftlich etablierten, gesteuerten und steuerbaren Normen, Konventionen, Erwartungshaltungen und Wertvorstellungen zu erfassen. Die kulturelle Dimension in der Übersetzung bewirkte vor allem eine Ausweitung des Forschungsinteresses über das Sprachliche hinaus und die Einbeziehung kulturgeprägter Handlungspraktiken und Vertextungskonventionen sowie schließlich nonverbaler Elemente. Die soziologische Übersetzungswissenschaft nahm die Strukturen von sozialen Gruppen und Gebilden sowie die Organisation der diversen Formen des sozialen Handelns in den Blick. Ferner fokussiert sie die institutionellen Zusammenhänge, in denen Übersetzungen vonstatten gehen und lenkt damit das Augenmerk weg vom Produkt Übersetzung hin zu Vermittlungszusammenhängen, in denen Translate stehen[7]. Gewiss erfolgt Translation auch durch Gebärden und Symbole, die Recht setzen können; dabei fällt der Blick zunächst auf Herrschaftssymbole (wie Reichsinsignien, Skulpturen von Allegorien wie der Justitia, aber auch Ringe, Gürtel, Glocken usw.), durch die Rechtspositionen wie etwa die Staatsgewalt vermittelt werden. Aber es ist hauptsächlich die Sprache, die das Recht in Worte fasst und mit deren Hilfe Wissen und Ideen, ja auch Ideologien transferiert werden. Dies geschieht innerhalb ein und derselben Sprache, aber vor allen Dingen interlingual.

1.2. Globales Wissen in lokal vertexteter Form

Die Translationswissenschaft hat als Kultur- und Sozialwissenschaft diese komplexen Übersetzungsvorgänge bereits beschrieben. Für das Recht ist der „linguistic turn in law“ bereits eingefordert worden, sodass auch die Rechtswissenschaft die vornehmlich sprachlichen Wissensströme in der global-lokal zu erfassenden Welt beleuchten muss[8]. Neben der philologischen Richtigkeit und den Techniken der Übersetzung kommt es zweifelsohne auf die Frage an, wie eine Norm im ganz konkreten Fall vor Ort von bestimmten Personen kontextualisiert wurde. Dieser Vorgang kann anhand zahlreicher Beispiele des Rechts- und Wirtschaftslebens tagtäglich nachvollzogen werden. Anders formuliert: Wissenskultur entsteht in binnen- wie außereuropäischen Kommunikations- und Herrschaftsräumen und wird durch Ideen und Konzepte, Texte und Symbole sowie Auslegungsmethoden und Praktiken geschaffen und ausgetauscht. Neben den bisher bemühten Hilfswissenschaften Soziologie, Ethnologie, Anthropologie und anderen wird auch die Translationswissenschaft helfen, Forschungslücken der Rechtswissenschaft zu füllen. Der Reproduktions- oder Applikationsprozess ist immer mit den anwendenden Personen verbunden, die ihrerseits über relevante Biographien verfügen. Anhand ausgewählter Fälle kann dieser Prozess der lokalen Kontextualisierung und Konkretheit gut analysiert werden.

1.3. Europäisches Wissen als Erfahrungsraum

Wegen seiner Sonderstellung zu anderen Kontinenten, seiner historischen Bedeutung und vor allem wegen seiner Vielsprachigkeit bietet sich Europa für diese Forschung als Erfahrungsraum und Quelle globalen Wissens besonders an. Aus Europa kommendes Rechtswissen hat sich dabei innerhalb Europas selbst wieder lokal verankert oder wurde, über die Grenzen Europas hinaus, in andere Kontinente exportiert. Schon sehr früh gab es in Europa eine die Wissensströme lenkende Sprachenpolitik und Sprachengesetzgebung, sowohl in den Staaten, in denen sich mehrere Sprachen treffen (Sprachprovinzen und -regionen[9]), als auch innerhalb seit Jahrhunderten global operierender Institutionen, wie etwa der römischen Kirche. In Sprachprovinzen wie an der multilingual arbeitenden Kirche finden schließlich Geschichte und Gegenwart, Europa (Sprachenpolitik der Europäischen Union) und Übersee, zueinander[10].

    2. Methodische Europäisierung und Überwindung des methodischen Nationalismus bei der Betrachtung der Translation

Studien zur Übersetzung von Rechtstexten in der Geschichte können beitragen, eine geforderte methodische Europäisierung und Überwindung des methodischen Nationalismus zu begleiten: Soll geprüft werden, wie eine dogmatische Figur oder eine Rechtsfortbildung auf weitere Konstellationen passt und ob sie auch plausible, überzeugende Ergebnisse produziert, dann muss der Blick in die v.a. schulbildenden Texte der Vergangenheit führen. Denn nur dort kann dogmatisch aufgespürt werden, wo Gemeinsamkeiten entstanden oder verschwanden. Allein aus den jeweils nationalen Wissenschaftsräumen kann dies aber nicht geleistet werden[11]. Mit anderen Worten: Das national getrennt abgelegte Wissen muss international verwoben werden, sonst werden Transferprozesse, die stets Harmonisierungs-, aber auch Differenzierungspozesse sind, immer verborgen bleiben. Eine Betrachtung der Übersetzungsprozesse verfeinert vor allen Dingen aber auch die bisherige Sicht der Rezeptionsgeschichte, die allzu pauschal Rechtsordnungen in bestimmte Rechtsfamilien und -schulen einzuordnen pflegte.

Wenn Begriffe unübersetzbar bleiben, ist fraglich, was transferiert wird oder nicht oder inwieweit. Das Fragepotenzial ist groß, denn es ist zu klären, warum welcher Text nicht oder anders übersetzt wurde. Abschied zu nehmen ist von den Methoden der klassischen Rechtsvergleichung (Makro- und Mikrovergleich), Rezeption und der „legal transplants“.

2.1. Rezeption

Die Rezeption geht von einer Geber-Nehmer-Beziehung aus: Der Rezipient nimmt das auf, was der Geber ihm geben will und inkorporiert sich in die Rechtsfamilie des Gebers. Diese Sicht geht von einer ungerechtfertigten Asymmetrie aus, ja von einem Über- und Unterordnungsverhältnis aus, das nicht mehr haltbar ist, weil ein Rezipient von mehreren Seiten empfangen, aber auch zurückgeben und vor allem eine juristische Eigendynamik entwickeln kann.

2.2. Rechtsvergleich

Auch der bloße Rechtsvergleich, die Gegenüberstellung von einzelnen Rechtsgebieten und Einzelregelungen im Makro- und Mikrovergleich, leistet nicht, die diversen Beziehungen, Verflechtungen oder Transfers in ihrer gesamten geschichtlichen Bandbreite aufleuchten zu lassen[12].

2.3. „Legal transplantation“

Die „legal transplantation“ schafft demgegenüber Abhilfe und sieht nicht die Rezeption einer ganzen Rechtsordnung (Rezeption des römischen Rechts), ganzer Rechtsgebiete oder Gesetzbücher (Rezeption des französischen Code civil)[13], sondern benennt Elemente, die vom Geber in den Rechtskörper des Rezipienten eingepflanzt werden. An ihr ist aber zu kritisieren, dass die Einpflanzung in den neuen Körper problematisch sein kann, weil dieser im Unterschied zum Geber ganz anders konditioniert ist[14]. Noch schwerer wiegt, dass der Vergleich der Unterschiede weniger interessiert als die Tatsache, dass eine Transplantation überhaupt zustande gekommen ist. Denn da Recht eine semantische und deshalb kulturspezifische Form hat, ist es überhaupt nicht ohne Weiteres in einen anderen Organismus übertragbar[15]. Man kann und muss daher schon früher ansetzen.

2.4. Reproduktion/Resignifikation globalen Wissens im lokalen Kontext per Translation

Auszugehen ist vielmehr von einer Sicht der filigran verästelten Reproduktion globalen Wissens im lokalen Kontext. Dabei wird der Wissensaustausch per Translation als Resignifikation der fremden Rechtsnorm in einem anderen gesellschaftlichen Sinnzusammenhang vermittelt, d.h. eine globale Norm erhält eine u.U. völlig andere Bedeutung, wenn der Jurist sie von unterschiedlichen Orten der Erde aus wahrnimmt und vor allem anwendet.

Die Reproduktion rechtlicher Normen kommt auch zustande, indem standardisierte Modelle weltweit in einer dem lokalen Kontext einzuschreibenden Art und Weise aktualisiert bzw. kontextualisiert werden[16]; hier kann man anschaulich auch von einer IKEAisierung sprechen[17]: Standardisierte Verfassungskorpora werden in einem anderen juristischen Kontext eingeschrieben und vor Ort appliziert. Was wird dabei wie übersetzt und benannt[18]? Diesem Phänomen des global-lokalen Rechtstransfers muss die europäische Rechtsgeschichte im Verbund mit anderen Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften nachspüren. Dabei sind stets die Lehren der Translationswissenschaft einzubeziehen.

Die Rechtsgeschichte kann sich mithin dadurch einbringen, dass sie die Texte aus ihrer Forschung, die übersetzt worden sind, darauf durchsieht, wie Wissen in einer Sprache in einer anderen lokalisiert wird. Dabei muss die Sichtweise des Betrachters vor Ort und nicht die desjenigen eingenommen werden, von dem das Wissen herstammt. Angestrebt wird eine Grundlagenforschung zur Genese einer rechtlichen Ordnung in der „globalen Bukowina“, mit der gern die heutige Rechtsvielfalt einer globalen Welt mit der Sprachenvielfalt der zur Habsburgermonarchie gehörenden und von Eugen Ehrlich erforschten Bukowina verglichen wird[19].

3. Untersuchungsgegenstände: Translationsströme von Rechtswissen

Durch Rechtstransferprozesse sind Rechtsordnungen bzw. Rechtsfamilien entstanden, haben sich verändert und nach der Rezeption fremden Rechts eine Eigendynamik entwickelt, die sie oftmals selbst wieder weitertragen („exportieren“) konnten. Obwohl ein Vergleich der Rechtssysteme auch in historischer Perspektive von Interesse ist, darf es hierbei nicht sein Bewenden haben, vielmehr müssen die Transferprozesse analysiert werden, die zur Bildung von Rechtsordnungen geführt haben, um den filigranen weltweiten Verflechtungen auf den Grund zu gehen und ein vertieftes Verständnis der historischen Entwicklung von komplexen normativen Ordnungen sowie ihren Schnittmengen zu ermöglichen. Die hier vertretene Position, dass Translation als Wissensvermittlungsmedium und auch als Steuerinstrument für die Deutung juristischer Inhalte war und ist, soll sodann anhand nachstehender Untersuchungsgegenstände begründet und veranschaulicht werden.

Wandert ein Begriff von der Ausgangs- zur Zielkultur, gibt es Kontakt- und Bruchstellen, Übergangszonen, Verschiebungen, Ver-Setzungen und Vermittlungsvorgänge im Prozess kulturellen Austauschs. Übersetzen ist „Verhandeln“, wie weit der Übersetzer gehen kann, wenn er einen Ausgangstext in die Zielkultur überträgt (Peter Burke: Translation implies ‚negotiation’)[20]. Wenn Begriffe unübersetzbar bleiben, ist fraglich, was transferiert wird oder nicht oder inwieweit. Das Fragepotenzial ist groß, denn es ist zu klären, warum welcher Text nicht oder anders übersetzt wurde. Über die reine Betrachtung der Übersetzung einzelner Termini hinaus bedarf es der ganzheitlichen Analyse der übersetzten Texte, des Raisonnements des Textes, welche alle konversationellen Implikaturen in der Kommunikation einschließt[21]. Soll dies geleistet werden, muss auch eine sinnvolle und repräsentative Auswahl an Epochen, Orten und Quellentexten erfolgen.

Zunächst empfiehlt es sich, im europäischen Erfahrungsraum nach einschlägigen Fällen der Verankerung globalen Wissens in einem lokalen Kontext zu suchen. Wissen wird im bi- als auch im multilingualen europäischen Kontext transferiert. Als repräsentative Fallgruppen innerhalb Europas soll zwischen zwei- und mehrsprachigen Kontakten differenziert werden, um daraus am Ende wiederum Unterschiede abzuleiten.

 3.1. Mehrsprachige Kontakte

Die Untersuchung der mehrsprachigen Kontakte zerfällt in zwei Blöcke: Im ersten Fall handelt es sich um eine Sprache (z.B. naheliegend: Deutsch), mittels derer ein bestimmtes Rechtswissen in kleinere Sprachen übersetzt und in den entsprechenden Gebieten vor Ort appliziert wurde (Habsburger-Monarchie). Der zweite Fall (Bulgarisch) beleuchtet die Herausbildung einer „neuen“ Rechtssprache, die im Spannungsfeld von mehreren benachbarten Rechts- Verwaltungssprachen stand.

a) Die Sprachen des ABGB

Bei der Betrachtung mehrsprachiger Institutionen fallen sicherlich sogleich einige transnationale Herrschaften und ihre Sprachenpolitik auf. Neben dem Commonwealth[22] ist dabei die Habsburg-Monarchie zu nennen[23]. In Ungarn dominierte noch im 18. Jahrhundert in den offiziellen Akten des Parlaments die lateinische Sprache. Joseph II. versuchte 1784 vergeblich, Deutsch als Amtssprache einzuführen. Die Ungarn wehrten diesen Versuch als Angriff auf ihre Unabhängigkeit ab, so dass Latein bis in das Jahr 1844 die offizielle Sprache des Königreichs Ungarn blieb[24]. Ziel der in Österreich im 18. Jahrhundert gepflegten Gesetzessprache war die Erziehung der Bevölkerung (genauer: des „gebildeten Bürgers“) durch Sprache zu einer „gebildeten Nation“, einem in der Summe spezifisch aufklärerischen Bemühen[25].

Das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) von 1811 kannte in den Zeiten der habsburgischen Doppelmonarchie eine beträchtliche Verbreitung. Damit es lokal in zumeist nicht-deutschsprachigen Gebieten angewandt werden konnte, mussten Übersetzungen angefertigt werden. Dass das AGBGB -wie der französische Code civil auch- eine Kodifikation der Aufklärung war, sieht man an insgesamt zehn Übersetzungen ins Tschechische, Kroatische, Ungarische, Italienische, Polnische, Russische, Rumänische, Serbische, Slowenische und sogar ins Lateinische. Da die Übersetzungen infolge eines Gesetzes von 1849 ebenfalls rechtsgültig waren, konnte das ABGB im lokalen Kontext in der jeweiligen Sprache angewandt werden[26]. Es kann festgestellt werden, ob ABGB-Rechtswissen aus der deutschen lediglich in die jeweilige Sprache übersetzt oder obendrein kommentiert und dem lokalen Kontext eingeschrieben wurde.

b) Bulgarische Rechtssprache als identitätsstiftendes Idiom zwischen griechischer, slawischer und türkischer Terminologie

Wegen seiner geographischen Randlage sticht Bulgarien als junges EU-Land besonders hervor, weil es mit etlichen Rechtssprachen konfrontiert war und zwecks Ausbildung einer eigenen Rechtswissenschaft eine Auswahl an eingeströmtem Rechtswissen treffen musste, die beachtenswert ist. Es konnte bereits für die Zeit zwischen dem späten 18. und dem beginnenden 20. Jahrhundert gezeigt werden, wie westliche Aufklärung durch eine Reihe bulgarischer Intellektueller in Bulgarien übersetzt wurde. Für die Modernisierungsprozesse steht insbesondere Konstantin Fotinov, der Herausgeber der ersten bulgarischen periodischen Zeitschrift und Verfasser von Lehrbüchern. Fotinov führte ins Bulgarische eine Reihe von Neuschöpfungen ein, wie „eigengesetzlich“ für „autonom“, redlich für „gerecht“ usw. In manchen Fällen erklärte Fotinov die von ihm gebrauchten Wörter durch griechische, mitunter durch slawische, die er durch eingeklammerte türkische Entsprechungen anreicherte. Die Entwicklung juristischer Terminologie kann anschaulich anhand der Translationsforschung nachgezeichnet werden: Das bulgarische Rechtsvokabular entwickelte sich aus griechischen, slawischen und türkischen Wörtern, die allesamt ins Land flossen. Im bislang analysierten Quellenmaterial überwiegt zwar die osmanische Rechtsterminologie, doch ging die Einführung einer slawischen Begrifflichkeit gerade mit der Bildung der nationalen Identität einher[27].

Welches Erkenntnispotenzial resultiert aus dem bisher Vorgetragenen für die Großregion, die historisch wie gegenwärtig durch einen zweisprachigen Kontakt der Rechtskulturen geprägt ist?

3.2. Zweisprachige Kontakte: Luxemburg, Elsass-Lothringen und die Saar

Bei den zweisprachigen Kontakten bietet sich die Unterscheidung in Fälle an, bei denen zwei Sprachen aufeinander stoßen.

Hier stößt man zunächst einmal auf die Sprachen, von denen die eine eine juristische Fachsprache ausgebildet hat, die andere jedoch weit dahinter stand (wie z.B. Schwedisch und Finnisch): Seit dem 12. Jahrhundert bis 1809 gehörte Finnland zu Schweden. Das Schwedische war sogar bis ins 19. Jahrhundert die Verwaltungs-, Rechts-, Gelehrten- und Kultursprache in Finnland, während Finnisch bloße Alltagssprache war.

Der zweite uns interessierende Fall charakterisiert Sprachen, die hinsichtlich der Ausbildung einer eigenen Rechtssprache im Gleichgewicht zueinander stehen (Französisch und Deutsch). Letzterer Fall tritt in der Großregion auf und soll am Beispiel des Phänomens Elsass-Lothringen, dem Saarland und dem Großherzogtum Luxemburg erforscht werden.

a) Elsass-Lothringen: Französisch-Deutsch (1871-1918 sowie 1938-1945)

Bei den zweisprachigen Kontakten soll inmitten Europas das Sprachenpaar Deutsch/Französisch an einer bislang von der Rechtsgeschichte lediglich spärlich untersuchten Grenze im Vordergrund stehen. Während der Einfluss des französischen Code civil sowie der vier weiteren vier napoleonischen Gesetzbücher auf Deutschland und die deutsche Rechtssprache vielfach besprochen wurde, so im prominenten Fall des Badischen Landrechts von 1809[28], widmen wir uns einem anderen Fall, der in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert spielt, nämlich dem „droit local“ des ehemaligen „Elsass-Lothringen“, seit 1911 auch „Reichsland“ genannt (1871-1914)[29].

Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde festgesetzt, dass das Elsass und die drei Bistümer Metz, Toul und Verdun dem Königreich Ludwigs XIV. zugeschlagen werden sollten. Der preußisch-französische Krieg von 1870 brachte die Niederlage der französischen Armeen. Frankreich unter Napoléon III. verlor das Elsass sowie einen Teil der Départements Mosel, Meurthe und der Vogesen, Gebietsteile, die auf deutscher Seite zu „Elsass-Lothringen“ wurden[30].

Nach 1871 funktionierte in Elsass-Lothringen die Justiz zweisprachig. 1911 erhielt es eine verfassungsmäßige und administrative Autonomie, indem es „Reichsland“ wurde, eine „terre d’Empire“, welche schon seit ca. 1850 refranzösisiert worden war[31]. 1918 kehrten die Gebietsteile wieder nach Frankreich zurück, ehe sie vom nationalsozialistisch beherrschten Deutschland für die Zeit zwischen 1940 und 1944 annektiert wurden. Aus dem oftmaligen Wechsel der Zugehörigkeit zu einem Nationalstaat und dem damit verbundenen Sprachgebrauch kam es sowohl zu notwendigen Übersetzungsvorgängen der Rechts- und Gerichtssprache als auch zu Einströmungen des jeweils nationalen Rechts (deutsches oder französisches nationales Recht) nach Elsass-Lothringen: Zwischen 1871 und 1918 führte das Kaiserreich nach und nach seine Gesetze ein, beließ aber auch gleichzeitig gewisse bereits vorhandene Normen des französischen Rechts. Nach 1918 verlieh der französische Gesetzgeber dem französischen Recht erneut Geltung, was durch zwei Gesetze vom 1. Juni 1924 erfolgte, ohne zahlreiche Vorschriften des „droit local“, zunächst übergangsweise, sodann dauerhaft, außer Kraft zu setzen. Ein Erlass vom 29. März 1919 bestimmte, dass die französische Sprache künftighin Gerichtssprache sein müsste, die in notariellen Akten und Gerichtstexten in „Elsass-Lothringen“ zu benützen sei[32]. 1924 setzte Frankreich des Weiteren fest, dass das lokale Recht in die französische Sprache übersetzt werden sollte, doch gibt es heute noch Rechtsnormen, deren Fassung in deutscher Sprache die allein verbindliche ist. Dabei umfasst das „droit local“ die drei Départements Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle[33].

Hauptsächlich dreht es sich bei diesem „droit local“ materiellrechtlich um die Vorschriften zum Vereins-, Religions-[34], Jagd-, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht[35], Kommunalrecht sowie Grundbuch-, Vollstreckungs- und Insolvenzrecht[36], sodann Handwerks-/Gewerberecht[37] und schließlich Gerichtsverfassungsrecht[38] bzw. das Recht der Berufsstände wie etwa der Notare[39]. Seit 1985 arbeitet eine „Commission d’harmonisation du droit privé alsacien-mosellan“ mit dem Ziel der schrittweisen Rechtsharmonisierung.

Die Untersuchung des Wissensaustausches in dieser überschaubaren Landschaft soll die unterschiedlichen textuellen Ebenen betrachten, d.h. den Einfluss deutscher Rechtstexte auf französische lokale Judikatur, wozu die Rechtsprechung des OLG Colmar, aber auch die Judikatur unterinstanzlicher Gerichte oder das Schrifttum herangezogen werden müssen. Zudem ist Neuland, wie die national-französische Doktrin deutschsprachiges Recht in die eigene Sprache umgesetzt und übertragen hat. Auf diese Weise kann mittels Translationsbetrachtung herausgefunden werden, wie die Einströmung von jeweils national abgelegtem Wissen (deutsch/französisch) in Elsass-Lothringen im Rahmen eines ganz konkreten Applizierungsprozesses von Recht im jeweils lokalen Kontext gewirkt hat.

Quellen zu diesem Zweck sind die beiden Bände „Das Reichsland Elsaß-Lothringen“ (Straßburg 1901-1903), das „Zentral- und Bezirks-Amtsblatt für Elsaß-Lothringen“ (Straßburg 1883-1918) mit dem Vorgängerorgan „Amtsblatt des Ministeriums für Elsaß-Lothringen“, das „Gesetzblatt für Elsaß-Lothringen“ (Straßburg 1871-1918, Berlin 1871-1878) sowie die „Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen und Verfügungen betreffend die Justizverwaltung in Elsaß-Lothringen“ (Straßburg 1877-1918).

Die wichtigste systematisch zu sichtende Erkenntnisquelle wird sein die „Juristische Zeitschrift für Elsaß-Lothringen“ (Bände 37-44, 1912 bis 1919, Straßburg, Heinrich Verlag), davor unter „Juristische Zeitschrift für das Reichsland Elsaß-Lothringen (1876-1911)“ bekannt (Bände 1-36, Straßburg, Heinrich Verlag, sowie eingangs Mannheim, Bensheimer Verlag).

Ergänzend heranzuziehen wären noch: „Annuaire de la Société d’Histoire et d’Archéologie de la Lorraine“ (Metz 1920-1980); Vorgänger: „Jahrbuch der Gesellschaft für Lothringische Geschichte und Altertumskunde“ (Metz 1889-1916).

Das Institut du droit local (IDL) in Straßburg besitzt ein Dokumentationszentrum und publiziert seit 1990 regelmäßig die „Revue du droit local“ sowie weitere Publikationen zu den Rechtsgebieten des droit local, das vielfach auch heute noch in Kraft ist.

b) Saarland (1945-1959)

Können aus Beispiel a) Erkenntnisse für die Verwebung von Translation und Recht für die Zeit nach dem Krieg von 1870/71 bis in den II. Weltkrieg gezogen werden, soll das Beispiel b) die unmittelbare Nachkriegszeit in den Vordergrund rücken.

Die Eingliederung in das Wirtschafts- und Währungssystem der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1959 („Tag X“ am 5. Juli 1959) schloss die politische und damit staats- und völkerrechtliche Entwicklung des Saarlandes entscheidend ab. Das Gesetz zur Einführung von Bundesrecht im Saarland vom 30. Juni 1959 hatte diesen Beitritt vorbereitet[40]. Mit dem 1. Januar 1957 war das Saarland bereits Land der Bundesrepublik geworden; die durch die wirtschaftliche Überleitung bedingten Unterschiede gegenüber der Rechtsstellung der anderen Bundesländer sollten danach ausgeglichen werden[41]. Das Bundesverfassungsgericht hatte in seinem „Saarurteil“ vom 4. Mai 1955 klargestellt, dass das Saarland trotz der faktischen Trennung vom übrigen Deutschland und ungeachtet des deutsch-französischen Saarabkommens vom 23. Oktober 1954 ein Teil des Deutschen Reiches sei und ferner, dass die saarländischen Gerichte auch deutsche Gerichte seien[42]. Saarländische Gerichte zitierten auch bundesdeutsche Entscheidungen. Das spezielle Publikationsorgan aller Gerichtszweige im Saarland war die „Saarländische Rechts-und Steuerzeitschrift“ (SRuStZ), die ab August 1957 als „Justizblatt des Saarlandes“ (JBlS) weitergeführt wurde und Ende 1967 ihr Erscheinen einstellte. An die Stelle des Justizblattes trat sodann das Gemeinsame Ministerialblatt Saarland, in welchem fast ausschließlich amtliche Texte veröffentlicht wurden. In der Zeitschrift „Saar-Wirtschaft“ erschienen von 1949 bis Februar 1956 ebenfalls Artikel zum Recht des Saarlandes.

Auf vielen Rechtsgebieten bestand besonderes saarländisches Recht, das zwar den heute tätigen Juristen wegen Verstreichens von Übergangsfristen nicht mehr interessiert, gleichwohl für die juristische Zeitgeschichte des Landes und damit auch für die deutsche und europäische Rechtsgeschichte von Belang sein sollte. Viel geschrieben wurde im Bereich des Staats- und Völkerrechts, des Staatsangehörigkeits- und Personenstandsrechts sowie zum allgemeinen Verwaltungs- und Verwaltungsstreitverfahrensrecht[43]. Neben dem Kulturrecht finden sich Beiträge zum Recht der Gebietskörperschaften, Bau-, Jagd-, Spoliationsrecht, sodann etliches zum Finanz-, Steuer-, Zoll- und Steuerstrafrecht. Auch fanden Gewerbe- und Arbeitsrecht, das Recht des öffentlichen Dienstes oder das Gerichtsverfassungsrecht speziellen Nachhall im Schrifttum. Wohnbewirtschaftungs- und Mietregelungsrecht, aber auch Bilanz- und Buchführungsrecht, sogar das Urheberrecht mit den verwandten Schutzrechten sowie das Recht der Wertsicherungsklauseln verdienen Erwähnung[44].

Das Saarland, das also mit Frankreich in einer Wirtschafts- und Zollunion verbunden war, kannte die Einführung französischen Rechts und mithin der französischen Rechtssprache. Für die Nachkriegszeit ergibt sich mithin ein Forschungsfeld, das bislang noch sehr wenig geöffnet wurde, die besondere Rechtslage an der Saar in der Zeit nach dem Ende des II. Weltkrieges bis zur Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland letztlich mit der Übergangszeit bis 1959.

Zur Überprüfung der These, ob Translation von Rechtswissen (siehe II. 4.) als Steuermedium gebraucht wurde, können und müssen die Amtsblätter des Saarlandes resp. die „Bulletins Officiels de la Sarre“ konsultiert werden[45]. Darüber hinaus gebietet die gestellte Frage die systematische Durchsicht des bereits genannten Periodikums „Saarländische Rechts- und Steuerzeitschrift (SRStZ)“ der entsprechenden Jahrgänge.

c) Luxemburg (1815 bis heute)

Das Herzogtum Luxemburg wurde 1795 von französischen Revolutionstruppen annektiert, wodurch die österreichische Herrschaft, welche seit dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714 in Luxemburg bestanden hatte, wieder jäh beendet wurde.

Die Neuordnung Europas während des Wiener Kongresses 1815 löste Luxemburg erneut aus dem französischen Herrschaftsverband heraus (bis 1714 regierte Louis XIV vor den Österreichern). Das nun geschaffene Großherzogtum Luxemburg wurde dem König der Niederlande, Wilhelm I., in Personalunion zugesprochen, war aber auch gleichzeitig bis 1866 im Deutschen Bund.

Die Belgische Revolution von 1830 führte dann 1839 mit dem Londoner Vertrag zu einer Teilung des luxemburgischen Territoriums zwischen Belgien und dem niederländischen König, die dem Großherzogtum seine heutige geographische Form verlieh. 1867 erhielt es in einem erneuten Londoner Vertrag den Status eines auf ewig neutralen und unbewaffneten Staates. Wilhelm II. billigte Luxemburg eine eigene Verfassung zu, die es sich 1868 gab. So heißt es im zweisprachig formulierten Gesetz vom 17. Oktober, wodurch die Verfassung vom 27. November 1856 revidiert wird (französische Fassung dort rechts synoptisch stehend: Loi du 17 octobre 1868, portant révision de la Constitution du 27 novembre 1856)[46], Art. 1: Das Großherzogthum Luxemburg ist ein unabhängiger, untheilbarer und unveräußerlicher und auf ewig neutraler Staat. Art. 1: Le Grand-Duché de Luxembourg forme un État indépendant, indivisible et inaliénable et perpétuellement neutre.

Art. 3 sprach im Übrigen der Familie Nassau die Krone des Großherzogtums zu, die nur in dieser Familie erblich ist.

Nach dem Tod des niederländischen Königs, Wilhelm III., fiel das Großherzogtum Luxemburg 1890, aufgrund eines fehlenden männlichen Erben im Haus Oranien-Nassau, Adolf von Nassau-Weilburg zu. Die Personalunion zwischen den Niederlanden und Luxemburg war damit beendet. Luxemburg hatte mithin seine eigene Dynastie.

Schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs marschierte die deutsche Armee unter Missachtung der luxemburgischen Neutralität im Großherzogtum ein und hielt es bis zum Ende des Kriegs besetzt. Als Luxemburg 1919 zunehmend in eine Verfassungskrise schlitterte, dankte Großherzogin Marie-Adélaïde zugunsten ihrer Schwester Charlotte ab, die später mittels Referendums zur Beibehaltung der Monarchie mit knapper Mehrheit bestätigt wurde.

Eine Durchsicht der Memoriale von 1815 an führt zu dem Schluss, dass durchgehend alle Normen zweisprachig abgefasst waren. Daran änderten weder der I. Weltkrieg noch der Versailler Vertrag etwas. Als Charlotte 1940 mit der Regierung nach der erneuten Besetzung Luxemburgs durch Nazi-Deutschland ins Londoner Exil fliehen musste, trat jedoch ein Vorzeichenwechsel ein. Denn war das Mémorial Nr. 31 vom 30. Mai 1940 noch in gewöhnlicher synoptischer Zweisprachigkeit gedruckt, erschien das Memorial Nr. 52 vom 18. September 1940 lediglich in deutscher Sprache.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Abgabenordnung vom 22. Mai 1931. Diese wurde durch die „Verordnung über Anwendung von steuerrechtlichen Vorschriften“ vom 30. September 1940 (Verordnungsblatt Nr. 3 vom 10. Oktober 1940, S. 17) in Luxemburg, natürlich nur in deutscher Sprache eingeführt. Die Abgabenordnung ist in Luxemburg nach wie vor in modifizierter Form geltendes Recht.

Für die Nachkriegszeit ist schließlich zu konstatieren, dass Französisch die alleinige Gesetzessprache wurde und bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Kurioserweise blieb es aber bei der bilingualen Überschrift: Mémorial du Grand-Duché de Luxembourg (links) mit französischem Datum sowie rechts „Memorial des Großherzogtums Luxemburg“ mit jeweils deutscher Datumsangabe[47]. Für die zukünftige Forschung in Rechtsgeschichte, geltendem Recht, aber auch für die Translationswissenschaft, die sich mit juristischen Texten beschäftigt, ist die von 1815 bis 1940 gepflegte zweisprachige Normenkultur zweifelsohne eine wichtige Erkenntnisquelle[48].

4. Schlussbetrachtung

Als „Übersetzer“ zwischen den Zeiten ohnehin mit der Problematik des Transfers befasst und notwendigerweise in besonderem Maße methodisch sensibilisiert, obliegt es gerade den Juristen und der historisch orientierten Rechtswissenschaft, eine Brücke zwischen den beteiligten Disziplinen (Wissenschafts- und Mediengeschichte, Linguistik und Translationswissenschaft) zu schlagen[49]. Wünschenswertes Ziel des interdisziplinären Diskurses ist dabei zugleich eine Angleichung der Diskussionsstände in den beteiligten Disziplinen; Verzerrungen, wie der bis in jüngste Zeit aus sprachwissenschaftlicher Sicht formulierte Vorwurf, Juristen pflegten gleichsam als Standesideologie durchweg eine nur einfachen Vorstellungen genügende Sprachtheorie, ließen sich durch die gemeinsam erzielten Erkenntnisfortschritte nachhaltig ausräumen.

Wenngleich auch nur auf den zweisprachigen regionalen Kontakt beschränkt können ausgewählte Studien zur Übersetzung von Rechstexten in der Geschichte dazu beitragen, eine methodische Europäisierung bzw. eine Überwindung des methodischen Nationalismus zu begleiten: Soll geprüft werden, wie eine dogmatische Figur oder eine Rechtsfortbildung auf weitere Konstellationen passt und ob sie auch plausible, überzeugende Ergebnisse produziert, dann muss der Blick in die v.a. schulbildenden Texte der Vergangenheit führen. Denn nur dort kann dogmatisch aufgespürt werden, wo Gemeinsamkeiten entstanden oder verschwanden. Allein aus den jeweils nationalen Wissenschaftsräumen kann dies aber nicht geleistet werden[50].

Mit anderen Worten: Das national getrennt abgelegte Wissen muss international verwoben werden, sonst werden Transferprozesse, die stets Harmonisierungs-, aber auch Differenzierungspozesse sind, immer verborgen bleiben. Eine Betrachtung der Übersetzungsprozesse verfeinert vor allen Dingen aber auch die bisherige Sicht der Rezeptionsgeschichte, die allzu pauschal Rechtsordnungen in bestimmte Rechtsfamilien und -schulen einzuordnen pflegte. Die Auswahl eines Gebietes, das von zwei „großen“ Rechtsordnungen berührt wurde und sein eigenes „droit local alsacien-mosellan“ entwickelt und bis heute beibehalten hat, kann sicherlich dazu dienen, diese Fragestellung zu erforschen. Im Saarland der Nachkriegszeit (1945-1959) trafen diese beiden „großen“ Rechtssprachen erneut, aber in einem ganz anderen Kontext erneut aufeinander. Luxemburg zeichnet sich durch eine 125 Jahre gepflegte juristische und in den Memorialen synoptisch publizierte Übersetzungstätigkeit aus, die seit dem Wiener Kongress 1815 bis zum Überfall Nazi-Deutschlands und der Exilierung der Großherzogin 1940 systematisch und sorgfältig gepflegt wurde und damit reiches Potenzial für das Forschungsfeld von Translation und Recht anbietet.

Prof. Dr.iur. Dr.phil. Thomas Gergen, o. Professor für Internationales und vergleichendes Zivil- und Wirtschaftsrecht mit Immaterialgüterrecht/Recht des Geistigen Eigentums an der European University for Economics and Management (eufom) in Luxembourg: 7, rue Alcide de Gasperi, L-2981 Luxembourg-Kirchberg, sowie Co-Direktor der Forschungsstelle zur Geschichte des Geistigen Eigentums: Univ. des Saarlandes, FB Recht, Geb. B4 1, 66041 Saarbrücken

* Die Studie ist entstanden im Zuge von Forschungen am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt/Main sowie jüngst am Forschungsschwerpunkt für Zivil- und Wirtschaftsrecht in der Großregion Luxemburg, den der Autor an der European University for Economics and Management (eufom) in Luxemburg leitet.

[1]

Susan Šarčević, New Approach to Legal Translation, Den Haag/London/Boston 1997 : Den jüngsten „Überblick über das Sprachwissen zur Fachübersetzung“ liefert Radegundis Stolze, Fachübersetzen: Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis, Berlin 2013, dort insbesondere beachtenswert S. 11-13 sowie S. 27-29.

[2]

Jörn Albrecht, Übersetzung, in: Gert Ueding (Hg.), Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band 9, Tübingen 2009, Sp. 871.

[3]

Michel Ballard (Hg.), La traduction de la théorie à la didactique, Lille 1984.

[4]

Dietrich Busse, Sprachwissenschaft als Sozialwissenschaft?, in: Dietrich Busse/Thomas Niehr/Martin Wengeler (Hg.), Brisante Semantik. Neuere Konzepte und Forschungsergebnisse einer kulturwissenschaftlichen Linguistik (Reihe Germanistische Linguistik 259), Tübingen 2005, S. 21-43.

[5]

Doris Bachmann-Medick (Hg.), Übersetzung als Medium der Repräsentation fremder Kulturen, Berlin 1997; Nadja Grbic/Michaela Wolf (Hg.), Text-Kultur-Kommunikation. Translation als Forschungsaufgabe, Tübingen 1997; Joachim Renn et al. (Hg.), Übersetzung als Medium des Kulturverstehens und der sozialen Integration, Frankfurt a.M./New York 2002; Vittoria Borsò/Christine Schwarzer (Hg.), Übersetzung als Paradigma der Geistes- und Sozialwissenschaften, Oberhausen 2006; Stefanie Stockhorst, Cultural transfer through translation: the circulation of enlightened thought in Europe by means of translation, Amsterdam 2010 (Internationale Forschungen zur allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft 131).

[6]

Was haben Chamäleons den TranslatorInnen zu sagen, in: Hartwig Kalverkämper/Larisa Schippel (Hg.), Translation zwischen Text und Welt – Translationswissenschaft als historische Disziplin zwischen Moderne und Zukunft (TransÜD. Arbeiten zur Theorie und Praxis des Übersetzens und Dolmetschens, Band 20), Berlin 2009, S. 115-137, hier S. 116-117.

[7]

Klaus Kaindl, Übersetzung als gesellschaftliches Phänomen: Soziologische Ansätze in der Übersetzungswissenschaft, in: Kalverkämper/Schippel (Anm. 6) S. 155-167.

[8]

Michaela Wolf (Hg.), Übersetzen – Translating – Traduire : Towards a ‘Social Turn’?, Wien 2006.

[9]

Für Frankreich vgl. Thomas Gergen, „Regionalsprachen in Frankreich: Zersplitterung der einheitlichen Republik?“ In: Journal on European History of Law 2/2 (2011), S. 2-6; regionalhistorisch jüngst: Wolfgang Hans Stein, „Das Französische im Rheinland. Zum Stand der Forschung über die Sprachenfrage in den rheinischen Departements 1794-1814“, in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 38 (2012), S. 213-238.

Für Spanien Gergen, „Probleme der Vereinbarkeit von Art. 34 der LPL (= Llei de Política Lingüística) mit dem Europarecht in der Sprachendebatte zur LPL.“ In: Revista de Llengua i Dret 51 (2009), S. 197-227 (Generalitat de Catalunya, Escola d’Administració Pública de Catalunya, Barcelona).

[10]

Vgl. dazu Thomas Gergen, „Translation von und durch Normen. Rechtsgeschichtliche Forschungsansätze zur juristischen Übersetzung“, in: Martin Espenhorst (Hg.), Unwissen und Missverständnisse im vormodernen Friedensprozess (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte IEG Mainz, Universalgeschichte  – Beihefte Nr. 94), Arbeitsgespräch im Rahmen des Verbundprojektes „Übersetzungsleistungen von Diplomatie und Frieden im vormodernen Friedensprozess“ vom 11./12. April 2012, Mainz 2013 (V&R Göttingen 2013), S. 219-259; ders., „Zwischen Lateinisch und Katalanisch. Juristische Translation im mallorquinischen Buch der Könige. Zum Llibre dels Reis, Palma de Mallorca 2010.“ In: Rg – Rechtsgeschichte, Zeitschrift des MPI für europäische Rechtsgeschichte Frankfurt/Main 20 (2012), S. 418-419 sowie ders., „Rechtsgeschichte, Translationswissenschaft und Missionslinguistik“, in: Sprache-Rhetorik-Translation, Festschrift für Alberto Gil zu seinem 60. Geburtstag (Reihe Rhetos Bd. 3), Frankfurt a.M. 2012, S. 331-341.

[11]

Armin von Bogdandy, „Deutsche Rechtswissenschaft im europäischen Rechtsraum“, in: Juristenzeitung (JZ) 1 (2011), S. 1-5.

 

[12]

Jürgen Osterhammel, „Transferanalyse und Vergleich im Verhältnis“, in: Hartmut Kaelble/Jürgen Schriewer (Hg.), Vergleich und Transfer. Komparatistik in den Sozial-, Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt 2003, S. 438-466, hier S. 465.

[13]

Valérie Dullion, Traduire les lois, un éclairage culturel. La traduction en français des codes civils allemand et suisse autour de 1900, Paris 2007; Thomas Gergen, „The Reception of the Civil Code (Napoléonic Code) of 1804: An Example of Juridical „Migration“ ?“ In: Anna Bulanda-Pantalacci (Hg.), Melting Pot – Migrations in the Walloon Region, Universität der Großregion, Tagung zur „Migration“ im Rahmen des „2012 European Forum of History and Arts“ in Liège/Lüttich im April 2012, Trier 2013, S. 256-271, sowie ders., „Stimmen zur Rezeption des französischen Rechts an Mosel und Saar – Ein Erinnerungsbeitrag zum Bicentenaire des Code civil (1804-2004)“, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 52 (2004), S. 61-66.

[14]

Alan Watson, „Legal Transplants, 2. Aufl. Georgia 1993; ders., Aspects of Reception of Law“, in: American Journal of Comparative Law 44 (1996), S. 335-351.

[15]

Pierre Legrand, „The Impossibility of ‚Legal Transplants’“, in: Maastricht Journal of European and Comparative Law 4/4 (1997), S. 111-124.

[16]

Marie Theres Fögen/Gunther Teubner, „Rechtstransfer“, in: Rechtsgeschichte 7 (2005), S. 38-45.

[17]

Günter Frankenberg, „Constitutional Transfer. The IKEA-Theory Revisited“, in: International Journal of Constitutional Law 8/3 (2010), S. 563-579.

[18]

Thomas Kupka, „Verfassungsnominalismus – rechtstheoretische Überlegungen zum Problem sprachlicher Benennungen im Recht“, In: ARSP (Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie 97/1) 2011, S. 44-77.

[19]

Gunther Teubner, Globale Bukowina. Zur Emergenz eines transnationalen Rechtspluralismus, Rechtshistorisches Journal 15 (1996), S. 255-290; ders./P. Korth, „Zwei Aspekte des Rechtspluralismus: Normenkollisionen in der doppelten Fragmentierung der Weltgesellschaft“, in: M. Kötter/G. Schuppert  (Hg.), Normative Pluralität ordnen, Baden-Baden 2009, S. 137-168.

[20]

Peter Burke/R. Po-Chia Hsia (Hg.), Cultural Translation in Early Modern Europe, New York, 2007, S. 7-38.

[21]

Günter Grewendorf, Die sprachliche Pflege des Rechts. Linguistische Aspekte der Rechtsprüfung, Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 118 (2000), S. 96 ff.; Davide Simone Giannoni/Celina Frade (Hg.) (2010), Researching Language and the Law. Textual Features and Translations Issues, Bern/Berlin et al. (Linguistic Insights. Studies in Language and Communication 121); Marcus Galdia, Legal linguistics, Frankfurt/M. 2009.

[22]

Almut Steinbach, Sprachpolitik im Britischen Empire. Herrschaftssprache und Integration in Ceylon und den Föderierten Malaiischen Staaten (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts 67), London 2009.

[23]

A. Fischel, Das österreichische Sprachenrecht, Brünn 1910; ders., Materialien zur Sprachenfrage in Österreich, Brünn 1910; A. Bachmann, Die Einführung und Geltung der innern deutschen Amtssprache in Böhmen, Prag 1907.

[24]

Wilhelm Brauneder, „Gesetzeskenntnis und Gesetzessprache in Deutschland von 1750 bis 1850 am Beispiel der Habsburgermonarchie“, in: Jörn Eckert/Hans Hattenhauer (Hg.), Sprache – Recht – Geschichte. Rechtshistorisches Kolloquium 5.-9. Juni 1990, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Heidelberg 1991, S. 107-132.

[25]

Brauneder (Anm. 24), S. 129; ders., „Das Allgemeine Gesetzbuch für die gesamten Deutschen Erbländer der österreichischen Monarchie von 1811“, in: Gutenberg-Jahrbuch 62 (1987), S. 206.

[26]

Elisabeth Berger (Hg.), „Österreichs Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB). Eine europäische Privatrechtskodifikation.“, in : Band III: Das ABGB außerhalb Österreichs, Berlin 2010; Hans Dölle, „Zur Problematik mehrsprachiger Gesetzes- und Vertragstexte“, in: Rabels Zeitschrift 26/1 (1961), S. 4-39.

[27]

Jani Kirov, „Prolegomena zu einer Rechtsgeschichte Südosteuropas“, in: rechtsgeschichte 18 (2011), S. 140-161; Nadia Danova, Die neue Sprache des Rechts. Zur Herausbildung der Rechtsterminologie in Bulgarien, Rechtsgeschichte Südosteuropas, vgl. Tätigkeitsbericht des Max-Planck-Institutes für europäische Rechtsgeschichte (MPIeR) 2010, S. 88-93.

[28]

Zur Translation des Code civil ins Badische Landrecht: Thomas Gergen, „Zwischen französischem droit d’auteur und deutscher Privilegientradition: Praxis und Entwicklung des badischen Urheberrechts im 19. Jahrhundert“, in: UFITA – Archiv für Urheber- und Medienrecht I/2011, S. 131-158.

[29]

Max Rehm, Reichsland Elsaß-Lothringen: Regierung und Verwaltung 1871 bis 1918, Bad Neustadt a.d.Saale 1991 (Schriften der Erwin-von-Steinbach-Stiftung 9); Hermann Joseph Hiery, Reichstagswahlen im Reichsland: ein Beitrag zur Landesgeschichte von Elsaß-Lothringen und zur Wahlgeschichte des Deutschen Reiches 1871-1918, Diss. Freiburg i.Br. 1984, Düsseldorf 1986 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 80).

[30]

François Lotz, La Lorraine annexée. Étude sur la Présidence de Lorraine dans l’Empire allemand (1870-1918), 2. Aufl. Metz 2007; Jan Ganschow/Olaf Haselhorst/Maik Ohnezeit, Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen, Graz 2009; Gabriele B. Clemens, Immobilienhändler und Spekulanten. Die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Großkäufer bei den Nationalgüterversteigerungen in den rheinischen Départements (1800-1813), 1995.

[31]

Georg Wolfram (Hg.), Verfassung und Verwaltung von Elsass-Lothringen: 1871-1918, Berlin (Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik, Schriftenreihe: Das Reichsland Elsass-Lothringen 1871-1918, 2 Bände).

[32]

François Lotz, Droit civil alsacien-lorrain, Paris 1977 (Pratique notariale 9), S. 3.

[33]

Institut du droit local alsacien-mosellan, Straßburg 1996, Einführung.

[34]

Das Gesetz vom 9. Dezember 1905 betreffend die Trennung von Kirchen und Staat ist in „Elsass-Moselle“ nicht anwendbar, da dort noch das Gesetz vom 18 Germinal an X (8. April 1802) gilt, das das Konkordat von 1801 und die Organischen Artikel zu den katholischen und protestantischen Religionsgemeinschaften umfasst.

[35]

Besondere Regeln zur Entgeltfortzahlung (maintien de la rémunération en cas d’absence), Sonntags- und Feiertagsruhe, wobei Karfreitag und der 2. Weihnachtsfeiertag (Stephanstag, 26.12.) als Feiertage gelten.

[36]

Éric Sander, „Alsace-Moselle et droit des entreprises en difficulté“, in: Philippe Roussel Galle (Dir.), Entreprises en difficulté, Paris 2012, S. 829-863; A. Chéron/G. Muhleisen, Précis de procédure locale applicable en matière civile et commerciale dans les départements du Haut-Rhin, du Bas-Rhin et de la Moselle, Paris 1930; Ph. Rieg, Les procédures collectives et la pratique notariale en droit local, rapport présenté au IXe Congrès Interrégional des notaires des cours d’appel de Colmar et de Metz, vom 24. September 1993; J.-L. Vallens, „La faillite civile, une institution du droit local d’Alsace-Moselle“, in: JurisClasseur périodique édition Générale = JCP G 1989, I, 3387.

[37]

Es gilt der „Code local des professions“ = Gewerbeordnung, Gesetz vom 26. Juli 1900.

[38]

Die Gerichte haben weit gefasstere Kompetenzen als im übrigen Frankreich, so etwa für die freiwillige Gerichtsbarkeit (fonctions gracieuses), insbesondere die Führung des Grundbuches (livre foncier), Erbschein (certificat d’héritier), Ehegüterregister (registre matrimonial), Kontrolle der Zwangsvollstreckung in Liegenschaften (contrôle de l’exécution forcée immobilière). Siehe Lotz (Anm. 32), S. 6 sowie S. 20-21.

[39]

Daniel Reupke, „L’impact de la loi française sur la rive gauche du Rhin et de la loi allemande sur la région mosellane : l’exemple du règlement notarial de la loi du 25 ventôse an XI en comparaison de la „Gesetz vom 26. Dezember 1873″“, in: François Roth (Dir.), La Lorraine et les pays de la rive gauche du Rhin (Sarre, Palatinat, pays de Trêves) du XVIIIe siècle à nos jours (Comité d’Histoire Régionale) 2011, S. 49-62; François Lotz, L’histoire des Études notariales de la Moselle de 1804 à nos jours, Kaysersberg 1989; Georges Flach, Le notariat en Alsace-Lorraine. Étude historique et critique, Straßburg 1874; Joseph Franz, Das Notariat in Elsaß-Lothringen. Sammlung der darauf bezüglichen Gesetze, Verordnungen und Verfügungen mit Anmerkungen, Straßburg 1884.

[40]

BGBl. I S. 313, 644, T-Blatt „Saarland“.

[41]

Thomas Gergen, „Von der Saarprovinz zum Saarland. Die Vorgängerorganisationen des Saarlandes bis zu den Volksabstimmungen von 1935 und 1955“, in: Saarländische Kommunalzeitschrift (SKZ) 9/2005, S. 211-230, hier S. 222.

[42]

Neue Juristische Wochenschrift = NJW 1955, S. 865; BVerfG v. 6. Oktober 1955 – 1 BvR 85/55, in: Betriebs-Berater = BB 1955, S. 909.

[43]

Neuerdings beachtlich: Johannes Kirchmeier, War die Verwaltungsgerichtsbarkeit im Saarland vor dessen Eingliederung in die Bundesrepublik deutschland durch französisches Recht beeinflusst?, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend (ZGS) LX (2012), S. 203-210 mit weiteren Nachweisen.

[44]

Hans-Ernst Folz, Bibliographie zum Recht des Saarlandes seit 1945, in: Annales Universitatis Saraviensis, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften/Droit-Économie, hg. von der Universität des Saarlandes, Bd. VII, fasc. 1, Saarbrücken 1959, S. 39-79; Thomas Gergen, „Die Familienzulage als Besonderheit im Recht des Saarlandes zwischen 1947 und 1959“, in: Historische Blicke auf das Land an der Saar. 60 Jahre Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, Saarbrücken 2012, S. 437-446 (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte Bd. 45).

[45]

Inzwischen im Internet publiziert und leicht zugänglich über den Lehrstuhl von Prof. Dr. Christoph Gröpl (über die Seite der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes).

[46]

Vgl. die Wortlaute der im Folgenden genannten Normen alle auf www.legilux.lu [10.08.2013]. Dieses verfassungsändernde Gesetz ist publiziert im ebenfalls zweisprachig gehaltenen Memorial des Großherzogthums Luxemburg resp. des Memorial du Grand-Duché de Luxembourg vom 22. Oktober 1868, Memorial Nr. 25, S. 213-242, hier S. 213.

[47]

Beispiele sind das Memorial Nr. 55 von 1950 vom 4. November 1950, S. 1281; das Memorial, nunmehr Journal Officiel du Grand-Duché de Luxembourg/Memorial, Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg vom 7. April 1970, Recueil de Législation, A-Nr. 20, S. 439 sowie letztlich dasjenige vom 7. August 2013, A-Nr. 150, S. 2899.

[48]

Dass das Luxemburgische Nationalsprache ist, soll an dieser Stelle gewiss nicht unerwähnt bleiben: „La langue nationale des Luxembourgeois est le luxembourgeois.“ In dieser Form wird es in der Loi sur le régime des langues vom 24. Februar 1984 bezeichnet. Es hat aber den Status der Nähesprache, nicht der Gesetzes- oder Verwaltungssprache. Grundlegend dazu mit vielen weiteren Literaturhinweisen: Peter Gilles, Dialektausgleich im Lëtzebuergeschen: zur phonetisch-phonologischen Fokussierung einer Nationalsprache (Phonai – Texte und Untersuchungen zum gesprochenen Deutsch, vol. 44), Niemeyer, Tübingen 1999, sowie dazu unsere Rezension: Thomas Gergen, in: Zeitschrift für romanische Philologie 118 (2002), S. 298-300 sowie in: Revista de Llengua i Dret 41 (2004), Generalitat de Catalunya, Escola d’Administració Pública de Catalunya, Barcelona, S. 443-446.

[49]

Marie Theres Fögen/Gunther Teubner, „Rechtstransfer“, in: rechtsgeschichte 7 (2005), Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte Frankfurt/M., S. 38-45.

[50]

von Bogdandy (Anm. 11), S. 5.